Brasilien – Länderanalyse

Brasilien hatte Ende März 2021 eine Gesamtverschuldung von 232,2 Prozent vom BIP, ein Jahr davor 212 Prozent, das entspricht also einem Anstieg der Schuldenquote um 9,5 Prozent durch die Lockdowns. Davon sind 27,7 Prozentpunkte vom BIP Schulden in ausländischer Währung.[11] Das entspricht etwa 510 Milliarden Dollar.[12] Der brasilianische Real hat sich seit Anfang 2018 um etwa ein Drittel abgewertet.[13] Das heißt, brasilianische Schuldner, die sich damals in Dollar verschuldet haben, müssen heute etwa 50 Prozent mehr in brasilianischen Real bezahlen. Dazu kommt, dass die brasilianische Wirtschaft seit etwa 10 Jahren nicht mehr wächst.[14] Das kaufkraftbereinigte Pro-Kopf-Einkommen lag 2019 leicht unter dem Niveau von 2010 und sieben Prozent niedriger als zum Höchststand 2013. Quelle: TRADING ECONOMICS

Das britische Wirtschaftsmagazin „Economist“ spricht daher von „Brazil’s dismal decade“.[16] Dazu kommt: 2020 ist das brasilianische BIP wegen der Lockdowns um weitere vier Prozent geschrumpft[17], gegenüber der Vor-Lockdown-Zeit ist die Zahl der Beschäftigten dramatisch von über 94 Millionen auf derzeit unter 86 Millionen Menschen zurückgegangen.[18] Die Arbeitslosigkeit befindet sich momentan mit 14,7 Prozent auf einem Rekordhoch und in den Favelas hallt laut Economist das Gewehrfeuer wider.[19] 10 Jahre Wirtschaftsstagnation oder gar leichter Rückgang sowie starke Unterbeschäftigung sorgen nicht gerade für soziale Zufriedenheit oder sozialen Frieden.

Fazit: Brasilien steht ökonomisch gar nicht gut da. Wenn der „Gigant Lateinamerikas“, wie der „Economist“ das Land nennt, mit einem BIP von etwa 1,84 Billionen Dollar[20] und über 210 Millionen Einwohnern seine Schulden nicht mehr bedienen kann, wäre dies ein ziemlich großer umfallender Dominostein im Umfang von über 500 Milliarden Dollar Auslandsverbindlichkeiten, der die Weltfinanz- und Anleihemärkte empfindlich belasten könnte.

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