Von ALEXANDER BERESOWSKI | Es ist nichts Neues, dass Wale stranden. Manchmal stranden sogar ganze Walfamilien, sie werden verwirrt von Magnetfeld-Anomalien, Militär-Sonar, Schiffslärm oder seismischen Untersuchungen, ihr eingebautes Walnavi versagt, oder sie sind geschwächt und ihr Walalter ist so hoch, dass ihre ganze Schule (Herde/Familie) dem kranken Leittier folgt. Ihr sozialer Zusammenhalt ist so hoch, dass manchmal 100 gesunde Tiere mit draufgehen. Sie lassen sich nicht zurückhalten und gehen in einen Waltod. Die Walhelfer versuchen nur, sie so schnell wie möglich zu retten.
Das passiert am Cape Code, in der Nordsee, in Neuseeland und Australien, wo vor Kurzem ein Tier seinen Walbezirk verlassen hat und innerhalb von einem Tag von Walbeobachtern entdeckt und mit der Hilfe des schweren Geräts befreit wurde. Man fragt sich, warum eine so schnelle, entschlossene und mutige Hilfeleistung in Deutschland von vornerein fast unmöglich ist?!
Die Antwort liegt fast auf der Oberfläche: Wenn in Deutschland ein Bahnhof oder ein Flughafen mindestens eineinhalb Jahrzehnte braucht, um gebaut zu werden, wenn Kröten und Fledermäuse wichtiger als Arbeitsplätze sind, wenn bei jedem Antrag eine Erlaubnis des Umweltamtes mit einer ewigdauernden Prüfung nötig wird, wird die Walrettung zu spät kommen und die Hilfsmaßnahmen nur unnötige zusätzliche Schmerzen verursachen. Der Provinzialismus lebt und Tierschutz stirbt!
Was ist seit der Erscheinung von Timmy am 23. März auf einer Sandbank vorm Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht passiert?
Die Behörden reagierten erwartungsgemäß sehr langsam und behäbig. Neben amtlichen Walleitern und Walärzten wurden allerhand Esoteriker, Hochstapler, Ökos und Wichtigtuer im Krisenstab aufgeboten. Auch ein ehemaliges Hells Angels-Mitglied mit einem Gesichts-Tattoo durfte als ein Meeressäuger – Einflüsterer nicht fehlen. Allerhand Influencer und YouTuber sprachen und sangen ihre pseudogeistigen Mantras im Wasser vor Timmy. Internationale Walbeobachter reisten zum Krisenstab an, wundern sich über die Zustände, verwerfen sich mit den Verantwortlichen und reisen umgehend ab. Am meisten ärgert diese internationalen Walbeobachter die ungehemmte Walwerbung der Mitglieder des Krisenstabs, die auf das Verlangen nach Klicks, Sammeln von Spenden und Drehen von Filmchen verrückt seien.
Ein Walhelfer mit dem geschönten Lebenslauf redete auf Timmy die ganze Zeit ein, ein Walleiter versuchte ihn mit Stupsen auf den richtigen Weg zu bringen. Und der Krisenstab tagte und tagte, holte eine Genehmigung nach der anderen ein, während Timmy drei Mal seinen Walkreis wechselte – vom Timmendorfer Strand zur Wismarbucht südlich der Insel Walfisch, dann wenige Meter weiter und Stand heute liegt er vor der Insel Poel. Und die Genehmigungen für die Pontone oder Bargen, die für die Walfreiheit sorgen könnten, lagen bis heute nicht vor. Die Walprognose ist schlecht und der Walkampf wird von Tag zu Tag aussichtsloser.
Währenddessen erreicht die Hysterie rund um Timmy einen Höhepunkt. Eine Frau springt zwei Mal von der Fähre, riskiert ihr Leben, um schwimmend zu ihm zu gelangen. Hunderte Schaulustige kommen aus ganz Deutschland mit Zügen, Autos und Campern, um von einer permanenten Polizeikontrolle in Schach gehalten zu werden.
Statt dem Walrecht zu verhelfen, wird der geneigten deutschen Öffentlichkeit Wallüge, Walmanipulation, Walfälschung und Walbetrug geboten. Und der Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), betreibt Walkampf und steigt in Gummistiefeln à la Gerhard Schröder ins Wasser ein. Wenige Monate ist bis zum Waltermin in Mecklenburg-Vorpommern und es gibt schon erste Stimmen, dass Manuela Schwesig und Friedrich Merz sich zu Timmys Rettung schleunigst äußern sollten. Sonst stehen Alternativen zur Auswal.
Fast ist die Rettungsmission zu einer Katastrophe mutiert – die Walärztin hat die Zustände im Krisenstab nicht verkraftet, musste selbst von DLRG-Rettungskräften gerettet werden und liegt seitdem im Koma. Die neue Tierärztin im Krisenstab gibt bei einer Pressekonferenz zu, dass sie keine Ahnung von Walen hat.
Sie kann nicht mal herausfinden, ob es sich bei Timmy um ein Männchen oder um ein Weibchen handelt. Für den Fall, dass Timmy doch ein Weibchen ist, hält man schon mal einen anderen Namen parat – Hope.
Währenddessen hat sich die private Wirtschaft zusammengetan: ein paar Milliardäre und Millionäre, unter anderem der Gründer von Media-Markt und Saturn. Sie bezahlen die Rettungsaktion selbst und haben die Hoffnung auf den Vater Staat aufgegeben. Sie schlagen die Rettungsvarianten vor und warten auf eine Genehmigung von Schweriner Ministerien.
Es entscheidet sich jetzt, ob das deutsche Volk einen Walsieg oder eine Walniederlage erlebt. Es bleibt zu befürchten, dass die Walleistung gegen die geballte Bürokratie von Mecklenburg-Vorpommern nicht ausreicht und das Tier in einer Walurne landet. Und ganz am Ende wird die Briefwal stehen – Timmy oder Hope auf einer deutschen Briefmarke symbolisiert die deutsche Walverwandtschaft und die geistige Nähe mit der Natur in Goethes Sinne.
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