Klöckners Signal-Konto gekapert, Karlsruhe ermittelt wegen Spionageverdachts

Klöckners Signal-Konto gekapert, Karlsruhe ermittelt wegen SpionageverdachtsVon MEINRAD MÜLLER | Ein falscher Klick reichte, und aus Berliner Bequemlichkeit wurde ein Fall für den Staatsschutz. Nicht Signal war das Problem. Das Problem saß vor dem Display.

Signal gilt als sicher. Genau deshalb nutzen Politiker, Journalisten und Militärs den Dienst für heikle Gespräche. Doch in diesem Fall wurde nicht die Verschlüsselung geknackt. Die Täter mussten keinen digitalen Panzerschrank sprengen. Es reichte, Menschen hereinzulegen. Eine täuschend echte Nachricht, ein falscher Hinweis, ein Klick in Eile, und schon stand der Fremde im Flur. So simpel, so unerquicklich. Nicht der Messenger flog auseinander, sondern die Vorsicht. Wer auf dem Weg zwischen Sitzung, Dienstwagen und Kamera noch schnell aufs Handy tippt, öffnet dem Gegner am Ende selbst die Tür.

Inzwischen ermittelt der Generalbundesanwalt wegen Spionageverdachts gegen Unbekannt. Damit ist die Sache aus der peinlichen Handy Ecke heraus und mitten im Staatsschutz gelandet. Das ist der eigentliche Skandal. Sicherheitsbehörden warnten seit Wochen vor der laufenden Phishing Welle, und trotzdem wirkte der Berliner Politikbetrieb nicht wie ein Hochsicherheitstrakt, sondern wie ein Schrebergarten mit offenem Tor. Man predigt dem Bürger bei jeder Gelegenheit Wachsamkeit, Datenschutz und digitale Resilienz, stolpert aber selbst über die erstbeste Ködernachricht. Der Staat sieht aus wie ein Lehrer, der die Klasse ermahnt und dann über den eigenen Tornister fällt.

Besonders brisant ist der Fall Klöckner

Explosiv wird die Affäre, weil nach Medienberichten auch das Signal Konto von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner gekapert wurde. Wer dort mitliest, liest keinen Einkaufszettel und keine Wetter App. Dort geht es um politische Kontakte, Stimmungen, Absprachen und womöglich um Kommunikation aus den inneren Räumen der Macht. Wenn ausgerechnet an dieser Stelle ein Angreifer Zugang bekommt, dann ist das kein Betriebsunfall mehr. Dann ist das ein Blick in den Maschinenraum. Genau deshalb schlägt die Sache politisch so hart ein. Nicht weil ein Handy piepte, sondern weil der Bürger sehen muss, wie dünn die Sicherheitsdecke in den oberen Etagen offenbar ist.

Der bequemste Ausweg wäre nun, auf die App zu schimpfen. Das wäre falsch und zu billig. Die Blöße trägt der Politikbetrieb selbst. Wer sensible Kommunikation über das Handy führt, darf nicht tippen wie beim Sonderangebot im Versandhandel. Doch genau dieser Eindruck drängt sich auf. Viel Technik, wenig Disziplin, große Worte, kleine Vorsicht. So wird aus staatlicher Verantwortung digitale Schlamperei. Und während Karlsruhe bereits wegen Spionageverdachts ermittelt, bleibt beim Bürger der Eindruck zurück, dass in Berlin viele über Sicherheit reden, aber manche schon an einer falschen Nachricht scheitern. Das ist nicht nur unerquicklich. Das ist blamabel.


Meinrad Müller.
Meinrad Müller.

PI-NEWS-Autor Meinrad Müller (72), Unternehmer im Ruhestand, kommentiert mit einem zwinkernden Auge Themen der Innen-, Wirtschafts- und Außenpolitik für diverse Blogs in Deutschland. Der gebürtige Bayer greift vor allem Themen auf, die in der Mainstreampresse nicht erwähnt werden. Seine humorvollen und satirischen Taschenbücher sind auf Amazon zu finden. Müllers bisherige Beiträge auf PI-NEWS gibt es hier, seinen privaten Blog finden Sie hier.

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