Wenn man keine Ahnung hat …

Von RAINER K. KÄMPF | Cem Özdemir (Grüne) macht auf Wahlkampf. Am Sonntagabend bot ihm Caren Miosga die große Bühne und er durfte sich mediengerecht produzieren. Wer wollte, konnte Özdemir erleben als bramarbasierenden Landesvater in spe, selbst über den Stadtbildern schwebend.

Er weiß die Debatte zu nutzen, um sich zu empfehlen, glaubt er. Und er triggert, was letztendlich diesen Beitrag bewirkt hat.

Die Überhöhung als provokantes Stilmittel wirkt mitunter Wunder bei der Lenkung eines erforderlichen Erkenntnisprozesses. So dachte sicher auch der Grüne Spitzenkandidat, als er folgende Äußerung vom Stapel ließ: „Im Osten Deutschlands gibt es Orte, wenn Sie da nicht aussehen, wie wenn Sie Nachfahre der Wikinger sind, dann kriegen Sie ein fettes Problem.“

Was zu beweisen war. Selbst ein Kurzzeitbesucher wird bei Reisen ins blaue Mitteldeutschland leicht feststellen, daß rothaarige, sommersprossige Zauselbärte nicht prägend die Öffentlichkeit dominieren. Eigentlich, so müssen wir dankbar konstatieren, daß Zauselbärte jeglicher Couleur bei uns noch nicht eine derart intensive Verbreitung haben, wie zum Beispiel in multikulturellen Metropolen wie Gelsenkirchen oder Dortmund.

Falls aber Özdemir andeuten will, daß der gemeine Ossi einen latenten Hang zum Bodenständigen habe, muß man ihm recht geben. Die Mitteldeutschen, wie alle, reisen zwar gern und häufig, ziehen es aber vor, ihre beschaulichen Gegenden nicht zum Disneyland des Wahhabismus zu machen. Oder frei nach Peter Scholl-Latour: Kalkutta doch lieber als Abenteuerurlaub denn jenseits der Höhen des Rennsteiges vor ihren Augen.

Unter sich bleiben ist Heimat, Vertrautheit und das wohltuende Gefühl sicherer Geborgenheit. Zu dieser Gemeinschaft zählen fleißige, höfliche Vietnamesen, bodenständige ehrliche Russen und geschäftstüchtige zuverlässige Polen. Reihenfolge oder Nennung sind keine Wertung, sondern das Beispiel angewandter und funktionierender Nachbarschaft und des Miteinanders auf der Basis der Achtung der Werte des Anderen.

Genau das ist es, was wir wollen und beibehalten wollen. Ein freundliches friedliches Miteinander mit denen, die mit uns gemeinsam ein zukunftsfähiges Deutschland schaffen wollen. An Leute wie Özdemir den guten Rat, einfach mal die Klappe halten und den süffisanten Unsinn in Baden-Württemberg belassen.


PI-NEWS-Autor Rainer K. Kämpf hat Kriminalistik, Rechtswissenschaft und BWL studiert. Er war tätig in einer Anwaltskanzlei, Geschäftsführer einer GmbH, freier Gutachter und Sachverständiger. Politisch aktiv ist Kämpf seit 1986. Als Kommissar in spezieller Stellung im Berliner Polizeipräsidium hatte er Kontakte zum damaligen „Neuen Forum“ in den Anfängen. Er verzichtete darauf, seinem Diensteid zu folgen und folgte lieber seinem Gewissen. Bis 2019 war er Referent einer AfD-Landtagsabgeordneten in Brandenburg. Aus gesundheitlichen Gründen beendete er diese Tätigkeit und befindet sich seither im unruhigen Ruhestand.

The post Wenn man keine Ahnung hat … appeared first on PI-NEWS.