So wird im Iran berichtet: Netanyahu soll Flydubai-Vorfall für den Wahlkampf nutzen – iranische Quelle spricht von möglicher False-Flag-Operation gegen Iran

Während Israel den dramatischen Zwischenfall auf Flydubai-Flug FZ1073 als Terrorakt behandelt und nach möglichen Hintermännern sucht, wird die Geschichte im Iran völlig anders erzählt. Der staatliche iranische Sender Press TV berichtet, die Regierung von Benjamin Netanyahu versuche, den Vorfall mit Iran in Verbindung zu bringen und für den bevorstehenden israelischen Wahlkampf zu nutzen. Für diese weitergehende Darstellung legt Press TV bislang jedoch keine unabhängig überprüfbaren Beweise vor.

Ausgangspunkt ist der Zwischenfall vom 30. September. Auf dem Flug von Dubai nach Tel Aviv soll der omanische Co-Pilot den Kapitän mit einer im Cockpit befindlichen Axt angegriffen und versucht haben, die Kontrolle über die Boeing 737 MAX zu übernehmen. Das Flugzeug verlor innerhalb von rund 30 Sekunden mehr als 16.000 Fuss an Höhe. Passagiere und Besatzungsmitglieder überwältigten den Co-Piloten, eine Reservecrew brachte die Maschine schliesslich im saudi-arabischen Tabuk sicher zu Boden. Die Vereinigten Arabischen Emirate bezeichneten den Vorfall inzwischen offiziell als Terrorakt und führen die Ermittlungen.

Quelle aus den Emiraten: „Die Wahlen steuern das Ereignis“

Press TV beruft sich in seinem aktuellen Bericht auf eine anonyme Quelle aus dem Umfeld der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate, die zuvor von der israelischen Zeitung Ynet zitiert worden sei.

Die Quelle erhebt einen schweren Vorwurf: Israel nutze den Angriff politisch aus und verzögere die Wiederaufnahme der Flydubai-Verbindungen.

Wörtlich wird die Quelle mit den Worten zitiert:

„Die Wahlen steuern das Ereignis, nicht die Logik.“

Hintergrund ist die Entscheidung Flydubais, nach dem Vorfall seine Verbindungen nach Israel vorübergehend einzustellen. Die emiratische Quelle stellt laut Press TV die Frage, weshalb gleichzeitig israelische Sonder- beziehungsweise „Rettungsflüge“ eingesetzt würden, wenn Passagiere grundsätzlich wieder fliegen könnten.

„Wenn Passagiere einen Arkia-Flug besteigen können, warum dann nicht Flydubai?“, fragt die Quelle laut dem iranischen Sender und fügt hinzu: „Es gibt keinen Krieg.“

Die Quelle beschreibt die israelische Reaktion drastisch und vergleicht sie mit einem Brandstifter, der zunächst das Feuer entfache und anschliessend zu dessen Bekämpfung eile.

Netanyahu bringt mögliche Hintermänner ins Spiel

Im Zentrum der iranischen Berichterstattung steht jedoch Netanyahus Umgang mit der Frage, wer hinter dem Co-Piloten stehen könnte.

Netanyahu erklärte, der Mann habe eine „islamistische Radikalisierung“ durchlaufen. Gleichzeitig sagte er, die Ermittlungen müssten klären, ob der Täter Komplizen hatte und ob möglicherweise Iran hinter dem Vorfall stand.

Entscheidend ist allerdings: Netanyahu räumte selbst ein, dass es für eine solche Schlussfolgerung zu früh sei. Zwei israelische Sicherheitsvertreter erklärten gegenüber Reuters ebenfalls, dass bislang keine iranische Beteiligung festgestellt worden sei. Israels Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten sagte zudem, dass noch kein Motiv abschliessend festgestellt worden sei.

Auch US-Präsident Donald Trump schaltete sich ein und erklärte, Iran werde „sehr hart“ getroffen, sollte sich eine Beteiligung Teherans herausstellen. Auch dafür lagen zum Zeitpunkt dieser Äusserung keine öffentlich bekannten Beweise vor.

Press TV sieht Verbindung zum israelischen Wahlkampf

Genau an diesem Punkt setzt die iranische Darstellung an.

Press TV verweist darauf, dass der Zwischenfall nur wenige Wochen vor der israelischen Parlamentswahl stattfindet und Sicherheitsfragen im Wahlkampf eine zentrale Rolle spielen. Der Sender hebt zudem hervor, dass Netanyahu bereits am 29. September – einen Tag vor dem Flydubai-Zwischenfall – vor möglichen Angriffen durch „Israels Feinde“ im Vorfeld der Wahl gewarnt habe.

Press TV zitiert ausserdem den ehemaligen israelischen Regierungsberater und heutigen politischen Analysten Daniel Levy. Dieser argumentiert dem Bericht zufolge, dass der Vorfall Netanyahu politisch nutzen könne, weil andere für ihn problematische Themen aus den Schlagzeilen verdrängt und durch eine Sicherheitsdebatte mit Iran im Mittelpunkt ersetzt würden.

So wird im Iran berichtet: Netanyahu soll Flydubai-Vorfall für den Wahlkampf nutzen – iranische Quelle spricht von möglicher False-Flag-Operation gegen IranIm iranischen TV nehmen sie kein blatt vor dem Mund

Unzählige False Flags um zu ekalieren

Leila Hatoum stellt den Besuch von Netanyahu in Abu Dhabi in Verbindung mit kürzlich stattgefundenen „False-Flag“-Operationen, darunter die Vorfälle in Medina und bei flyDubai. pic.twitter.com/DqiOgrRH47

— Don (@Donuncutschweiz) October 2, 2026

Noch schwerwiegendere Vorwürfe aus Teheran

Die aktuelle Berichterstattung von Press TV steht zudem im Zusammenhang mit noch weitergehenden Vorwürfen, die der iranische Sender bereits am 1. Oktober verbreitet hatte.

Damals zitierte Press TV eine nicht namentlich genannte „gut informierte Quelle“, die sogar behauptete, Netanyahu habe gemeinsam mit regionalen Akteuren eine False-Flag-Operation geplant, um den Flydubai-Vorfall Iran anzulasten und US-Präsident Trump in einen neuen Krieg gegen Teheran hineinzuziehen.

Der Sender stellte dabei einen Zusammenhang mit einem kurz zuvor erfolgten Besuch Netanyahus in den Vereinigten Arabischen Emiraten her. Laut dieser anonymen Quelle sei während des Besuchs über eine entsprechende Operation gesprochen worden.

Zwei völlig unterschiedliche Narrative

Damit stehen sich inzwischen zwei grundverschiedene Darstellungen gegenüber.

Die Vereinigten Arabischen Emirate sprechen offiziell von einem Terrorangriff des Co-Piloten. Aktuelle Berichte nennen zudem Hinweise darauf, dass der Mann bereits zuvor wegen extremistischer Ansichten aufgefallen sein soll. AP berichtet unter Berufung auf mehrere mit dem Fall vertraute Personen, der Co-Pilot sei bei Oman Air wegen Bedenken über extremistische Ansichten vom Flugbetrieb ausgeschlossen und auf eine administrative Stelle versetzt worden, bevor er später bei Flydubai beschäftigt wurde. Die Ermittlungen zu Motiv und möglichen Verbindungen laufen weiter.

Israel untersucht unterdessen, ob der Täter allein handelte oder Hintermänner hatte. Eine iranische Verbindung ist bislang nicht nachgewiesen.

Press TV wiederum stellt den politischen Kontext in den Vordergrund und berichtet unter Berufung auf anonyme Quellen, Netanyahu versuche, aus dem Vorfall einen Iran-Bezug zu konstruieren, um die Sicherheitslage zum bestimmenden Thema des israelischen Wahlkampfs zu machen. In früheren Berichten ging der iranische Sender noch weiter und stellte den gesamten Vorfall als mögliche geplante False-Flag-Operation dar.

Fest steht bislang vor allem eines: Der Flydubai-Zwischenfall ist längst nicht mehr nur Gegenstand einer Luftfahrt- und Terrorermittlung. Er ist zugleich Teil des politischen und medialen Informationskampfes zwischen Israel und Iran geworden. Ob der Co-Pilot allein handelte, welche Motive ihn antrieben und ob überhaupt ein externer Akteur beteiligt war, müssen die laufenden Ermittlungen klären.